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PC World Game Journalist schiesst Eigentor… (Reaktion auf Fallout3 Preview von NMA)

5 September, 2007

PC World Journalist Matt Peckham klagt in seinem Blog vom 31.8.07 über die Vorgehensweise der Fansite NMA bei der Berichterstattung zum Spiel Fallout 3, welches im Herbst 2008 erscheinen soll. Was mit seiner Entrüstung über ein angeblich unlauteres Vorgehen dieser Fans beginnt, endet mit der berechtigten Infragestellung seiner eigenen journalistischen Standards und seiner fadenscheinigen Argumentation.

Nicht zu vergessen, dass sich hier ein Gamejournalist in’s eigene Gärtchen scheisst, indem er Teile seiner Kundschaft, Game Fans eben vergrault, indem er einige deren Exponenten beleidigt.Weiter wirft er mit seinem Rant Fragen auf, die er vermutlich nicht gerne beantworten möchte.

Viel Lärm um dies…

Zwei Machern der Fansite gelang es, mit Hilfe von verschiedenen kommerziellen Game Webseiten (für welche sie einen Beitrag verfassen werden) Presseausweise zu erhalten, welche es ihnen ermöglichte, eine Präsentation des Spieles durch den Produzenten Bethesda Softworks an der Leipzig Games Convention zu besuchen. Die Fans gaben sich nicht als solche zu erkennen und produzierten so einen Bericht der Demo und führten ein Interview mit einem Bethesda Mitarbeiter.

Das brisante daran (zumindest für Bethesda) war, dass dieser Publisher seine Informationsverbreitung zu Fallout 3 streng kontrolliert und bisher nur die einschlägigen Fachpresse zu Präsentations Events einlud. Fans mussten sich bisher mit Bethesdas Informationen und denen der Fachpresse begnügen. Die Handlungsweise von NMA ist ein besonderer Fall von Empowerment, der für Fan Communities vermutlich nicht allzuhäufig ist.

Bethesda sieht diese Aktion relativ gelassen, immerhin waren die beiden Fans legitim akkrediditere Journalisten. Auf vermutlich wenig aussichtsreiche jouristische Schritte wurde verzichtet. Allerdings wird der Report von NMA auf Bethesdas eigener Fallout3 Site ignoriert, vermutlicht weil er auf einer Fansite erschienen ist, welche in der Linksektion der eigenen Seite im Gegensatz zu den vielen kommerziellen Game Sites bis anhin keinen Platz finden.

Die bisherige Berichterstattung…

In der Fachpresse sind seit der hausinternen Preäsentation von Bethesda, der Vorstellung des Games auf Messe, wie der E3 und der GC etliche Artikel zum Spiel erschienen. Alle beschreiben dasselbe gezeigte Demo mit ähnlichen Worten. Die meisten loben das Potential des Spiels, die Schönheit seiner Grafik und das innovative Gameplay. Verschiedene Interviews mit den Machern Todd Howard, Pete Hynes und Emil Pagliarulo stehen ebenfalls zur Verfügung. Die Berichterstattung hält sich insgesamt betrachet im üblichen Rahmen für ein Spiel, welches erst in über einem Jahr erscheinen soll. In Anbetracht der Menge der Neuerscheinungen, welche der durchschnittliche Game Journalist an Spielemessen zu bewältigen hat, erscheinen die Beiträge in Umfang und Tiefe durchaus angemessen.

Was die kritische Distanz oder die journalistische Objektivität betrifft, unterscheiden sich die Berichte schon etwas stärker. Die Unabhängigkeit der Spiele Fachpresse steht in letzter Zeit und nicht nur zum Thema Fallout zur Debatte. Diese Branche muss sich oft den Vorwurf gefallen lassen, lediglich ein erweiterter PR Outlet der Spieleproduzenten zu sein und so manche Berichterstattung zu Spielen zu beschönigen, um den privilegierten Zugang zu Informationen von Publishern und dessen Werbeanzeigen nicht zu verlieren. Doch dies ist ein eigenes Thema, auf das ich vielleicht mit einem dedizierten Blog Eintrag eingehen werde.

Fallout ist kein unbekannter, es machte sich seinerzeit in einer RPG Welt, die von D&D Spielen dominiert wurde durch sein revolutionäres Setting und herausragendes Storytelling einen Namen. Diesem Umstand zollten viele Autoren Tribut, viele waren auf ihre Art Fans der Vorgänger und konnten so keine nüchterne Distanz für sich in Anspruch nehmen. Die Frage ob, Bethesdas Werk ein würdiger Nachfolger werden könne, wurde durch die Presse durchaus oft erörtert und überwiegend bejaht.

… und dann schrieben die Fans

Wie unterscheidet sich nun die Berichterstattung von NMA abgesehen von gewissen Covert Operations Praktiken die für das Zustandekommens derselben vonnöten war von den übrigen Artikeln?

Die Hardcore Fans von NMA kannten die bisherige Berichterstattung und somit den Ablauf der Demonstration und des gezeigten Videos im Detail. Beide sind Studenten, also mit dem Verfassen von Vorlesungsnotizen, also dem schriftlichen Straffen von komplexer Materie in kurzer Zeit vertraut.

Mit diesen Hilfsmitteln gelang es den Beiden, einen fast schon skriptartigen und minutiösen Bericht zur Demonstration abzuliefern, welcher wesentlich mehr Details als die vorgängigen journalistischen Produkte bot. Einige offene Fragen und potentielle Kritikpunkte der Community zum Spiel wurden im Detail betrachtet und kommentiert.

Ein repräsentativer Bericht?

Der Artikel ist sehr objektiv gehalten, was ich von leidenschaftlichen NMA Fans nicht erwartet hätte und somit äusserst lesenswert. NMA gefärbte Meinungen waren durchaus enthalten, wurden von den Autoren aber deutlich von den eigentlichen Informationen getrennt. Im anschliessenden Interview mit Bethesdas Pete Hynes konnten weitere spezifische Fragen der Community zum Spielinhalt und zum Umgang mit der Fanbase beantwortet werden.

Der Artikel aus mehreren Gründen einzigartig. Der Detaillierungsgrad und Informationsgehalt, sowie seine Offenheit sind im Vergleich zur Fachpresse eher selten, der Aufwand den eine Fansite betreibt, um an Informationen zu gelangen ebenfalls.

Keine Fachzeitschrift würde zu so einem frühen Zeitpunkt derart viel Zeit und Aufwand in ein Spiel investieren um eine Teilmenge ihrer Kundschaft zufriedenzustellen, für NMA sind Falloutinformationen einer der Existenzgründe. Kein regulärer Journalist hätte sich ausschliesslich auf ein Game konzentrieren können, um dieses dann so detaileich zu verarbeiten, NMA hatte die Zeit und die Leidenschaft dazu. Kein kommerzielles Medium hätte aus Angst vor zukünftiger Ächtung durch den Hersteller so offen berichtet, NMA hat ihren Ruf bereits und nichts zu verlieren.

Warum diese Kritik?

Nebst dem Vorwurf, dass NMA trotz Verbot durch Bethesda ein Tonband habe mitlaufen lassen endet Peckham seinen Kommentar mit folgendem Fazit:

„In any event, the issue’s not what NMA did so much as how they gained access to do it. It’s not like Bethesda’s running a sweatshop or a money laundering op or an underage sex ring, where going all 60 Minutes or Mother Jones on the company to expose moral turpitude might be justified. No, and not to sound all preachy, but this is how a couple kids without scruples screw it up for the rest of us by turning already paranoid-enough companies into impregnable PR fortresses.“

Was soll man davon halten? Eine klare Befürwortung des Schönwetterjournalismuses? Misgunst gegenüber Nestbeschmutzern?

Die NMA Autoren haben sich legal akkreditiert und haben die gleichen verwertbaren Informationen erhalten, wie die übrige Fachpresse. Kein Game Journalist muss über seine spielerischen Vorlieben Auskunft geben um zu einer Demonstration an einer Fachmesse zugelassen zu werden. Ich vermute sogar, dass die meisten Game Journalisten bei etlichen Fanforen akkreditiert sind, um Hintergrundinformationen zu erhalten und Stimmungen zu sondieren, manche partizipieren sogar aktiv in diesen Foren. Ich finde den Vorwurf, dass sich die Mitglieder von NMA illegal Zutritt verschafft hätten haltlos.

Der letzte Satz ist sehr interessant als Abriss zur Gemütslage eines professionellen Game Journalisten. Die Angst vor einer zukünftigen Blockadehaltung der Hersteller, sollte dieses Ereignis Schule machen, treibt ihn um.

Ein schonungsloser, aber objektiver Bericht und schon ist es aus mit den Informationen? Das zeigt einiges über das Verhältnis zwischen der Fachpresse und den Medien. Wenn ein Artikel nicht wohlwollend ist, dann ist der Journalist fortan Persona non grata und vom Informationsfluss gekappt. Also ja nichts Böses schreiben, man will seinen Job ja nicht gefährden.

Sorry Matt Peckham, wenn das Deine Meinung ist, dann ist die Game Fachpresse überflüssig, da kann ich mich gleich gänzlich auf die offiziellen Gamesites als Informationsquelle beschränken. Geschönte Beschreibungen der Spiele finde ich auch dort, dazu brauche ich Euch nicht.

Die Fachpresse hat ihre Daseinsberechtigung als journalistisch integrer Berichterstatter, nur so verschafft sie ihren Kunden überhaut einen Wert, der über PR für Spielehersteller hinausgeht.

Ausserdem brauchen die Hersteller die Presse ebenfalls als Multiplikator für ihre PR Anstrengungen, das sollte für die Presse eigentlich eine Machtposition bedeuten. Erstaunlich wie gut die Hersteller dann die Presse im Griff haben. Ich denke dafür gibt es Gründe, mehr dazu ein einem späteren Blogartikel.

Ein Kommentar

  1. full ack! irgendwas muss passieren im spiele-journalismus. es gibt so einen spruch für unabhängigen consumer-journalismus und der heißt: „we buy our own!“ – das wäre vielleicht ein anfang, so ist man nicht mehr abhängig von rezensionsexemplaren.

    andererseits ist es auch nicht so einfach – wenn wirklich ständig kritisch berichtet wird, wirst du als journalist ausgeschlossen und wenn die werbung ausbleibt, kannst du die bude zumachen – so ist das nun mal. profi-journalisten sind ja auch angewiesen auf ihren broterwerb – das sollte man nicht unterschätzen.

    das schwierige ist, dass alle spiele-journalisten an einem strang ziehen müssten, sich nicht gegeneinander ausspielen lassen dürfen. wie das klappen soll – keine ahnung…

    ps: gute blog-idee – weiter so!!



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